Die vier Arten mit Geld umzugehen

Meine eigenen Erfahrungen und auch Gespräche im Bekanntenkreis haben mir gezeigt, dass es eigentlich vier Arten gibt, mit Geld umzugehen. Persönliche Ziele, aber auch das Mindset, also quasi die Einstellung, die man zu Geld hat, bestimmt zu großen Teilen, welche Arten man anwendet.

Am Beispiel „Auto“ möchte ich dir diese vier Arten einmal veranschaulichen.

1. Geld ausgeben, das man nicht hat

Du brauchst ein Auto und nimmst einen Kredit auf. So tun es wohl die meisten – und das Autohaus hilft dir auch gerne bei der Vermittlung eines Kredites…

Du kannst dir natürlich auch selbst einen Kredit organisieren. Ein prominentes Vergleichsportal zeigt mir an, dass ein Autokredit (Gebrauchtwagen) über 10.000 Euro für 2,89% Zinsen im Jahr zu haben ist. Du zahlst 84 Monate lang – also 7 Jahre lang – 131,47 Euro im Monat an die Bank. Die Bank verdient in diesem Zeitraum über 1000 Euro an dir – 10% des Kaufpreises!

Funny fact: Falls du die 1000 Euro für 7 Jahre halbwegs ordentlich (5% Zinsen) anlegst, dann machst du daraus 1.400 Euro (Steuern schon abgezogen). Du verschenkst also einen Betrag, von dem du einen netten Urlaub machen könntest – laut desselben Vergleichsportals beispielsweise 14 Tage Mexiko inklusive Flug und All-Inclusive-Verpflegung! 😉

2. Auto plus Mexiko: Geld ausgeben, das man hat

Okay, nun ist es halt so, das Auto auf Pump steht vor der Tür. Aber du hast keine Lust mehr drauf, dein Leben lang jeden Monat Zinsen für ein Auto zu zahlen – da fällt dir Besseres ein, was du mit der Kohle machen könntest. Also sparst du Geld auf einem Tagesgeldkonto und kaufst dir am Tag X ein neues Auto – einfach so. Und dann ab nach Mexiko. Geil oder?

Der Trick ist natürlich, dass du ein einziges Mal aus der Spirale ausbrechen musst. Denn du hast ja das Geld für das Auto, sogar mehr (Zinsen) – nur eben immer erst hinterher!

Das heißt du musst über einen gewissen Zeitraum die Rate für das Auto zahlen und Rücklagen für das nächste bilden. Das Handy (als Teil eines Mobilfunkvertrages) abzahlen und gleichzeitig Geld zurück legen für das nächste Handy.

Der zweite Trick bzw. ein Mindset, zu dem du vielleicht gelangen könntest, ist in fünf Worten zusammengefasst: „Nein, das brauche ich nicht.“ Sprich: Du kaufst einfach nichts, was über deinen Möglichkeiten liegt. Denn sonst geht die Spirale ja wieder von vorne los. (Zu diesem Thema werde ich gesondert an anderer Stelle noch mehr schreiben.)

3. Gut schlafen – sorgloser leben: Geld sparen

Wenn du Glück hast, und nun keine Autorate mehr zu berappen hast und auch die Rücklagen für das nächste Auto gut stemmen kannst – oder ab sofort lieber mit der Bahn fährst – hast du das ultimative Ziel erreicht: Du kannst dir ein kleines Vermögen aufbauen! Wieviel das sein soll und wofür du es brauchst, das kannst natürlich nur du wissen.

Vielleicht möchtest du deine Kinder während der Ausbildung unterstützen können, vielleicht würdest du dir gerne zum Renteneintritt 100.000 Euro auszahlen lassen, vielleicht schläfst du einfach ruhiger, wenn du weißt, dass dich keine Autoreparatur, kein Anwaltsschreiben und keine Stromnachzahlung in Geldnot bringen kann.

Bei letzteren Gründen – kurzfristig verfügbares Geld für Notfälle – gibt es tatsächlich keine andere Möglichkeit als eine gewisse Summe auf dem Tagesgeldkonto liegen zu haben. (Dort gibt es zumindest minimale Zinsen und keiner kommt dran, wenn deine EC-Karte geklaut wird.) Im besten Fall parkst du dort drei Nettogehälter – ein ziemlich großes Polster, ich weiß. Aber da musst du ja auch nicht über Nacht hinkommen.

Wahrscheinlich denkst du dir sogar, dass du es gar nicht schaffst, etwas beiseite zu legen.

Das Problem ist meist, dass das Einkommen im Laufe des Lebens steigt, aber unser Lebensstandard auch. Vielleicht planst du deine nächste Gehaltserhöhung nicht direkt in dein Budget ein, sonst überweist den Betrag per Dauerauftrag auf dein Tagesgeldkonto. Oder du verreist nur 5 statt 10 Tage und verbringst den restlichen Urlaub im Freibad. Vielleicht gehst du mittags nicht mehr essen, sondern packst dir morgens eine Lunch-Box. Anstatt mit Freunden regelmäßig brunchen zu gehen, könntet ihr euch daheim treffen und jeder bringt was mit. Du erkennst das Prinzip – Möglichkeiten, zu sparen, gibt es tatsächlich viele, aber fast jede ändert natürlich auch deinen Lifestyle. (Sie verändert aber auch deine Zukunft und macht dich glücklicher, da du eine Sorge (=Geld) weniger hast.)

Ausnahmen: Alle Ausgaben überprüfen, vergleichen und verhandeln. Oft ist im Bereich Mobilfunkvertrag, Stromanbieter etc. eine Menge zu machen und das läppert sich dann über die Monate und Jahre.

Beispielsweise zahle ich derzeit noch für meinen Handyvertrag 35 Euro. Das, was ich brauche, bekomme ich mittlerweile jedoch bei anderen Anbietern für 8 Euro monatlich. Innerhalb von 24 Monaten spare ich also knapp 650 Euro.

4. Geld vermehren – (ein bisschen) reich werden!

Nach oder sogar neben dem Aufbau deines weichen Notfallgeld-Kissens solltest du auch Geld sparen, das du anlegst – damit du exakt das Gegenteil hast als bei einem Konsumkredit (sprich Autokredit): Du bezahlst kein Geld dafür, Geld zu leihen, sondern du sparst Geld, das sich auch noch vermehrt. (Dies sollte jedoch langfristig angelegt sein, um Kursschwankungen an der Börse auszugleichen.)

Dein Geld vermehrt sich dann insgesamt gesehen immer wieder ein bisschen und dieses Bisschen vermehrt sich dann auch wieder… das nennt man den Zinseszinseffekt.

Angenommen du bekommst im Schnitt 5% jährlich an Zinsen gutgeschrieben – was durchaus realistisch ist – dann ergibt sich bei einer monatlichen Investition von 100 Euro folgendes Bild:

Nach 25 Jahren hast du 30.000 Euro eingezahlt und hast 28.028 Euro durch die Zinsen dazu bekommen! Ja, echt jetzt! Du hast dein eingezahltes Geld fast verdoppelt! Da bei diesem Betrag leider aber auch Steuern im Wert von 3.300 Euro angefallen sind, verfügst du unterm Strich über ca. 54.700 Euro. Das ist natürlich immer noch eine ganze Menge Geld.

Das Ganze funktioniert sogar auch bei kleinen Beträgen: aus 25 Euro im Monat werden in 25 Jahren 14.700 Euro (hier fallen sogar keine Steuern an). Das reicht locker für ne kleine Weltreise zum Renteneinritt… Auch wenn man wenig verdient hat die Jahre über. (Und mit den 25 Euro, die ich beim Handyvertrag spare, hab ich die 25 Euro zum Beispiel schon wieder drin!)

Und wer super schlau war und mit 20 schon angefangen hat, ab dem ersten Gehalt 50 Euro im Monat in einen Sparplan zu stecken, der verfügt mit 65 Jahren über knapp 83.000 Euro – hat aber nur 27.000 Euro einbezahlt.

Woher ich diese Zahlen habe, mit den 5% Zinsen, und in was man denn investieren sollte? Dazu schreibe ich an anderer Stelle ausführlicher.

Nur so viel: im Internet (z.B. auf www.handelsblatt.com) finden sich viele Statistiken, die sich einig sind, dass 6% Rendite (Ertrag, den Kapital bringt) ein realistischer Wert sind, wenn man in einen Fonds (also einen Aktienkorb) investiert.

Das Thema Zinseszins hat Nico vom Finanzglück-Blog super aufbereitet in seiner „Geschichte von Kalle und Knut“. Absolut lesenswert!

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