„Ich kann nicht kommen, mein Baby ist tot.“ – ein Schicksalsbericht von meiner Freundin Katha

Liebe Leserin, lieber Leser!

Heute habe ich die Geschichte von Katha für dich. Ich kenne Katha seit mittlerweile fast 16 Jahren – wir sind nämlich seit der Oberstufe miteinander befreundet. Katha wusste schon immer, dass sie einmal eine Familie gründen wollte und hat ihren Mann auch sehr schnell geheiratet (das war nämlich auch schnell klar, dass das der Richtige für sie ist!). Ich war die stolze Trauzeugin. Natürlich hatte ich mich unglaublich für die beiden gefreut, als ich von Kathas Schwangerschaft erfuhr. Nach einigen Monaten erkundigte ich mich, was sie gerne als Geschenk hätte ich und besorgte eine Wickeltasche für das Baby. Alle waren voller Vorfreude! Im Februar sollte sie endlich Mutter eines Mädchens werden.

Und dann kam diese Nachricht im November… „Es ist tot.“

Was dann folgte, wird euch Katha im Folgenden selbst erzählen.

Spoiler: Sie ist mittlerweile glückliche Mama von zwei weiteren, wunderbaren Mädchen!

Katha, ich finde es sehr mutig von dir, dass du heute vor meinen Blogleserinnen und -lesern über so ein intimes Thema sprechen möchtest. Vielleicht könntest du uns als Erstes erzählen, an welchem Punkt in deinem Leben du standest, als du schwanger wurdest?

Katha: Ich hatte ein halbes Jahr zuvor mit dem Referendariat für Gymnasiallehramt begonnen, verdiente das erste Mal im Leben eigenes Geld und fühlte mich absolut bereit für ein Kind. Auch mein Mann freute sich auf Nachwuchs. Die Zeit als Promotionsstudent erschien ihm ebenfalls als passend. Es hatte ein paar Monate gedauert bis ich schwanger wurde und als es soweit war, freuten wir uns unheimlich auf unser Leben als Familie.

Ich schwebte auf der Schwangerschaftswolke. Durch das Referendariat war ich sehr eingespannt und hatte nicht viel Zeit zum Nachdenken. Natürlich wusste ich, dass gerade in den ersten drei Monaten Fehlgeburten nicht unüblich sind, hatte aber nie das Gefühl, dass mir das passieren würde. Ich blickte vollkommen optimistisch nach vorn. Nach zwölf Wochen erzählte ich Freunden davon, informierte die Schulleitung, überlegte ob ich Prüfungen vorverlege, plante ein Jahr Elternzeit und wusste, wann ich wieder einsteigen würde, um das Referendariat zu beenden. Anfang November wurde alles schon etwas beschwerlicher, ich freute mich auf den Mutterschutz, der nach Weihnachten beginnen sollte.

Wie hast du dann erfahren, dass etwas nicht stimmt mit deinem Baby? Und wann war das?

In den Herbstferien fühlte ich mich seltsam. Das lag vielleicht an der fortschreitenden Schwangerschaft und den Anforderungen im Referendariat. In meinem Bauch wurde es ruhiger, ich bat meinen Mann an meinem Bauch zu horchen. Er hörte etwas, das im Nachhinein aber auch Darmgeräusche gewesen sein könnten. Ich ging zu einem Klassentreffen und war eine der ersten, die Nachwuchs erwarteten. Der Bauch war nun allgegenwärtig.

Die Woche verging wie im Flug. Uff, ächz, durchhalten bis Weihnachten. Zurück in die Schule. Ich erinnere mich noch genau an den Tag. Ich hatte eine anstrengende siebte Klasse in Deutsch zu unterrichten, die ich aber sehr mochte. Aber ich stand neben mir. Die ganze Zeit spürte ich, dass „in“ mir etwas nicht stimmte. Es fiel mir schwer, den Unterricht zu beenden. Die Schüler waren so unruhig wie sonst noch nie. Nach dieser Stunde hatte ich einige Freistunden, daher ging ich sofort zur Bushaltestelle und versuchte währenddessen meinen Gynäkologen zu erreichen. Natürlich nahm niemand ab, ich wurde unruhig. Ich schrieb meinem Mann, dass ich zum Arzt muss. Daheim angekommen erreichte ich endlich jemanden in der Praxis und bekam einen Termin um 14 Uhr.  Ich schrieb meinem Mann, dass ich einen Termin gemacht hätte. Er sagte, er wolle dazu kommen. Nein, nein, das sei nicht nötig, ich müsse ja danach eh noch ins Seminar zu einem Computerkurs. Er ließ sich aber nicht davon abbringen.

Ich schwang mich also aufs Fahrrad, damit ich nach dem Termin schnellstmöglich zum Seminar fahren konnte.

Mein Mann war da, Gott sei Dank! Wir wurden ins Sprechzimmer gerufen, der Arzt saß gegenüber. Ich bekam kein Wort mehr heraus, weinte nur noch, mein Mann übernahm das Wort.

Ultraschall.

Er fährt mit dem Kopf des Gerätes über meinen Bauch. Kein Wort von Seiten des Arztes. Warum sagt er nichts?!

„Das Herz schlägt nicht mehr.“ Gewissheit. Ich weine, wir weinen. Der Arzt weiß nichts zu sagen. Obwohl ich es geahnt hatte, zog es mir den Boden unter den Füßen weg. Es war das schlimmst mögliche Szenario.

von Privat – alle Rechte bei Katharina Bauknecht

Was ist dann passiert?

Bevor wir die Praxis verließen, wurde der Ablauf der folgenden Tage besprochen. Ich könne nun nach Hause gehen, man müsse nicht sofort ins Krankenhaus. Am folgenden Tag ins KH zu gehen, würde reichen. Das erstaunte mich. Ich hatte ein totes Baby im Bauch, musste das nicht sofort entfernt werden??! Ich hatte Schmerzen, alles tat weh. Wie lange soll ich mit dem toten Baby im Bauch herumlaufen?!

Es war etwas geschehen, auf das ich nicht vorbereitet war, ich hatte keine Ahnung, wie man vorgehen würde, wenn einem das Baby im Bauch in der 26. Schwangerschaftswoche stirbt.

Heute hätte ich einen Plan, wie ich vorgehen würde. Aber damals war es, als würde ich vor einer schwarzen Wand stehen. Keine Tür, durch die ich gehen konnte.

Zunächst einmal meldete ich mich in der Schule ab: „Ich kann nicht kommen, mein Baby ist tot.“ Das hab ich wirklich gesagt.

Wie sind deine Ärzte, das Krankenhaus, deine Familie, dein Arbeitgeber, deine Freunde… dann damit umgegangen, dass euch das passiert ist? Kurzfristig wie langfristig? Wie erging es dir im Krankenhaus?

Am folgenden Tag ging es ins Krankenhaus nach Reutlingen, da Tübingen keinen Platz für uns hatte. Ich wurde nochmal untersucht von einer Assistenzärztin. Ich fragte sie, warum mein Baby gestorben sei. „Intrauteriner Fruchttod. Das war eben Pech.“ Damit wollte sie sagen, dass es für den Tod meines Kindes keine unmittelbare Erklärung gab.

Ich wurde stationär aufgenommen, bekam Medikamente, mit welchen die Geburt eingeleitet wurde. Von den Ärzten hat übrigens niemand gefragt, ob ich das Baby vaginal gebären möchte oder ob ich einen Kaiserschnitt bevorzugen würde. (Ich werde nämlich oft gefragt, wie ich das Baby bekam.) Dann waren mein Mann und ich ziemlich auf uns gestellt. Gott sei Dank bekamen wir ein „Familienzimmer“, sodass wir die ganze Zeit zusammen sein konnten ohne eine Bettnachbarin, die eventuell gerade selbst ein lebendiges Baby bekommen hatte.

Wir versuchten uns abzulenken, gingen spazieren, was ja auch die Einleitung beschleunigen sollte. Mein Mann las mir vor aus Bill Brysons „Picknick mit Bären“. Ich bekam Wehen, die Schmerzen wurden schlimmer. Es war wenig Personal bei uns, da es ja kein lebendiges Baby zu überwachen gab. Kein CTG, kein Kreißsaal, nichts wie bei einer „normalen“ Geburt. Mein Mann klingelte, aber es gab keine Hilfe für mich. Vielleicht sprang ich auf die Schmerzmittel nicht an.

Irgendwann platzte die Fruchtblase. Mein Mann rannte aus dem Zimmer, rief nach einer Schwester. Die brachte mich in den Kreißsaal, doch bereits auf dem Flur schoss der Kopf des Babys aus meinem Körper.

Im Kreißsaal angekommen konnte ich endlich meine Tochter auf den Arm nehmen.

Leni. Sie war warm, fast hoffte ich, dass sie schreien würde. Aber ich hörte nur leise das Schreien eines Babys aus dem Zimmer nebenan.

Die Krankenschwester machte ein Foto von Leni, nahm ihre Fußabdrücke ab. Sie auf den Arm zu nehmen, mit ihr zu kuscheln, war das schönste Erlebnis, das ich in dieser traurigen Zeit hatte. Sie war endlich da, ich konnte sie spüren, ihre Wärme, die natürlich nur meine Wärme gewesen ist. An ihr war alles dran, sie war ein kleiner perfekter Mensch. Sie war unser Kind. Nun waren wir eine Familie, sie gehörte zu uns. Deshalb wünschten wir uns, dass unsere Familien Leni kennen lernen würden.

Eine Krankenhausseelsorgerin besuchte uns und bot uns an, eine Segensfeier für Leni zu machen. Unsere Eltern und Geschwister machten sich auf den Weg zu uns. Dass alle Leni „kennengelernt“ haben, hat uns sehr viel bedeutet.

Wir blieben noch eine Nacht im Krankenhaus. Leni wurde zwischendrin gekühlt, aber ich konnte sie jederzeit zu mir bringen lassen. Danach wurde sie von einem Bestattungsunternehmen abgeholt und wir hatten jede Menge damit zu tun, die Beerdigung vorzubereiten. Wir luden unsere Familien zur Beerdigung ein und die wichtigsten Freunde. Leider waren meine beiden besten Freunde zu sehr mit dem Referendariat beschäftigt und konnten daher nicht kommen. Dafür kamen Freunde aus dem Chor, die von der Beerdigung erfahren hatten. Leni wurde auf dem Bergfriedhof Tübingen in einem kleinen weißen Sarg bestattet.

Zur Schule kehrte ich zwei Jahre nicht zurück. Zunächst hatte ich Mutterschutz und zwar drei Monate, da ich in der 26. Schwangerschaftswoche war und Leni als Frühchen galt. In dieser Zeit wurde ich bereits wieder schwanger und kehrte daher erst zurück, nachdem unser zweites Kind ein Jahr alt war.

von Privat – alle Rechte bei Katharina Bauknecht

Wie entwickelten sich Freundschaften?

Freundschaften wurden auf den Prüfstand gestellt. Im ersten Augenblick waren natürlich alle geschockt und bekundeten ihr Beileid. Aber relativ bald fühlte ich mich mit meinem Schmerz sehr allein gelassen. Viele Freunde mieden das Thema, ich fühlte mich aus der Mitte des Lebens an den Rand gedrängt. Bei Partys und Treffen beobachtete ich nur noch. Der Tod hat dort keinen Platz. Aber es gab auch Freunde, die das Thema nicht mieden, sondern die offen mit uns über Lenis Tod sprachen. Mit diesen sind wir dann enger zusammengewachsen.

Auch in der Familie gab es Verständnis und Sprachlosigkeit. Ich glaube, womit Familie und Freunde schwer klar kamen, war die Dauer der Trauer. Auch mir war bis dato nicht bewusst, dass die Trauerarbeit derart „ausführlich“ ausfallen wurde.

Meine Schwiegermutter sagte zu mir: „Du wirst jetzt etwa ein Jahr traurig sein.“ Und ich dachte: „Ein Jahr?! Kein Mensch kann so lange traurig sein!!!“ Jetzt weiß ich es besser. Nach einem Jahr war die Trauer noch immer sehr frisch. Jetzt erst im sechsten Jahr danach, zwei weitere Kinder später, kann ich sagen, dass ich Abstand dazu gewonnen habe, dass es mir wieder gut geht.

Was waren die blödesten Sprüche – wenn vielleicht auch lieb gemeint – die ihr euch anhören musstet?

„Du kannst froh sein, dass du kein behindertes Kind bekommen hast.“

„Sei nicht so traurig, du bist doch wieder schwanger und bekommst dein Kind.“

„Wenn du in der Schwangerschaft weiterhin so drauf bist, wird das deinem ungeborenen Kind schaden.“

„So (traurig, verzweifelt) solltest du nicht wieder schwanger werden.“

„Es hat wohl so sein sollen.“

„Viele Frauen haben eine Fehlgeburt.“

„Früher sind oft Kinder verstorben, das haben die Frauen da doch auch überlebt.“

Und noch viele Sprüche mehr… ich muss hier jetzt einen Punkt setzen, sonst werde ich nicht mehr fertig.


Was hat euch am meisten geholfen, so als unmittelbare Reaktion?

Es gab Freunde, die uns zu sich eingeladen haben und mit uns ganz offen darüber gesprochen haben. Wir entschlossen uns dann für zwei Wochen in den Urlaub zu fliegen, so lange kümmerten sich Freunde um Lenis Grab. 

Wie ging es dir und deinem Mann? Habt ihr euch gegenseitig Halt geben können?

Wir waren beide tief verzweifelt. Jeder auf seine eigene Art. Niemand jedoch hat von dem jeweils anderen erwartet, dass er auf eine bestimmte Weise trauern müsse. Durch diese gegenseitige Toleranz konnten wir uns nahe sein und sind durch dieses traumatische Ereignis noch näher zusammengerückt. Wir waren uns einig, dass wir zunächst aus dieser Situation  heraus wollten und flogen gemeinsam nach Fuerteventura. Ebenfalls stimmte unser Wunsch überein, dass wir „sofort“ wieder schwanger werden wollten. Es war diese große Lücke – Eltern ohne Kind zu sein – die wir füllen wollten. Uns war einfach klar, dass wir eine Familie mit Kind sein wollten.

Einig in diesen wichtigen Fragen konnten wir gemeinsam „gegen die Welt“ agieren, die teilweise andere Entscheidungen von uns erwartete. (Z.B. mit einer weiteren Schwangerschaft abzuwarten.)

Wann und wie habt ihr es wieder zurück geschafft in einen Zustand, indem man wieder „normal“ leben kann, mit Verpflichtungen, arbeiten gehen etc.? Wer oder was hat euch dabei geholfen?

Ich habe tatsächlich erst zwei Jahre später das Referendariat fortsetzen und abschließen können. Im Mutterschutz wurde ich bereits wieder schwanger und bekam ein Beschäftigungsverbot für die Zeit der Schwangerschaft. Anschließend blieb ich noch ein Jahr mit meiner Tochter Zuhause.

Geholfen hat mir eine Trauergruppe, in der wir mit Leuten zusammen kamen, die ebenfalls verwaiste Eltern geworden sind. Auch die Leiterin dieser Gruppe teilte dieses Schicksal, jedoch mit großem zeitlichen Abstand, was den Sitzungen besondere Authentizität verlieh. Sie gab uns auch einen Ausblick darauf, was es heißt, ein Folgekind zu bekommen und wieder ein „normales“ Leben zu führen. Mit den Mitgliedern dieser Gruppe sind wir immer noch verbunden, auch wenn inzwischen unser Lebensmittelpunkt in einer anderen Stadt ist.

Desweiteren habe ich mich ziemlich schnell dafür entschlossen, eine Gesprächstherapie zu machen. Obwohl es mir am Anfang noch nicht so schlecht ging, wie später, habe ich wohl geahnt, dass dieses Lebensereignis mehr Bewältigungsarbeit benötigen würde. Durch den Tipp einer Mutter, die dasselbe erlebt hatte, bekam ich die Nummer eine Therapeutin, die zufälligerweise sofort einen Platz frei hatte. Die Therapie machte ich über Jahre. So hatte ich Begleitung in der Schwangerschaft, während der postpartalen Depression und während meines Referendariats. Ich bin froh, dass ich bezüglich der Psychotherapie keine Berührungsängste hatte und würde das anderen Betroffenen ebenso empfehlen. So ein (traumatisches) Ereignis sorgt dafür, dass man sein ganzes Leben neu ordnen und ausrichten muss. Gerade wenn man auf Unverständnis seitens Familie oder Freunden stößt, da diese oft auch mit der Situation überfordert sind. Da hilft es, jemanden an der Seite zu haben, der sich mit solchen Ausnahmesituationen auskennt und professionell kommuniziert und agiert.

Der Studentenpfarrer unserer katholischen Hochschulgemeinde half uns ebenfalls, indem er sich sofort bereit erklärte, die Beerdigung zu übernehmen. Er besuchte uns auch und erkundigte sich regelmäßig nach uns. Besonders schön ist, dass er später auch Lenis kleine Schwester taufte.

Wir hatten uns ziemlich schnell entschlossen, dass Leni ihr eigenes Grab bekommen sollte. (Die andere Möglichkeit ist ein nummeriertes Urnengrab, wo auch andere Babys liegen. Dies kann natürlich ähnliches leisten). Das Grab ermöglicht uns, etwas „für das Kind“ und damit für uns selbst zu tun. Wir und unsere Gefühle fanden dort einen Platz. Die erste Zeit waren wir täglich dort oben beim Bergfriedhof, haben regelmäßig Blumen gepflanzt, gegossen und gepflegt. Haben dort geredet, geschwiegen, gelacht, geweint und „mit“ Leni um die Folgeschwestern gebangt und uns auf sie gefreut. Es war einfach alles möglich „dort oben“. Nun wohnen wir ja schon über zwei Jahre nicht mehr in Tübingen. Aber wenn wir Tübingen besuchen, freuen wir uns jedes Mal, auch Leni zu besuchen. Auch ihre kleine Schwester kommt gerne mit und ab jetzt ist die Babyschwester natürlich auch immer dabei.

Schon wenige Monate nach Lenis Tod wurdest du wieder schwanger. War das wichtig für dich/euch, es gleich wieder zu versuchen?

Ja, das war sogar sehr wichtig für uns. Unser ganzes Sehnen war darauf ausgerichtet, dass wir bald wieder schwanger sein wollten. Drei Monate später hatte es dann geklappt. Ich wusste sofort, dass ich wieder schwanger war und begrüßte das neue Baby. Wir wussten aber natürlich, dass Leni nicht ersetzt werden konnte.

Wie war deine Schwangerschaft mit dem zweiten Kind, was hat das mit dir gemacht?

Furchtbar, um ehrlich zu sein. Es war ein Horrortrip, ich hatte fürchterliche Angst. Anfang und Ende der Schwangerschaft waren besonders schlimm, in der Mitte hatte ich eine Phase, in der es einigermaßen auszuhalten war. Während der ersten Wochen der Schwangerschaft war ich deshalb in einer tagesklinischen Einrichtung der Psychosomatik. Das hat mir sehr geholfen, mit der Schwangerschaft fertig zu werden.

Wie ging es dir nach ihrer Geburt?

Leider sehr schlecht. Ich wurde schon gegen Ende der Schwangerschaft richtig depressiv, da ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass mein Kind überleben wird. Nach der Entbindung war es erst etwas besser, aber einige Monate danach ereilte mich eine schwere postpartale Depression. Es half nur noch stationär in die Psychiatrie zu gehen. Gott sei Dank gab es eine Mutter-Kind Einrichtung, sodass ich mein Baby die drei Monate bei mir haben konnte. Dort wurde ich auch das erste Mal auf Medikamente eingestellt. Wobei das Leben mit Medikamenten eine andere Geschichte ist.

Ich möchte in aller Deutlichkeit herausstellen, dass diesem Schicksalsschlag der Totgeburt nicht zwangsweise eine Depression folgen muss. Daher möchte ich darauf hinweisen, dass die (postpartale) Depression wieder ein anderes Thema ist.

Katha hat sich bereit erklärt, uns an anderer Stelle auch zu diesem Thema – das Mamasein mit Depressionen – Einblicke zu gewähren.

Für heute sei gesagt, dass ich natürlich auch in meinem Umfeld von Kathas Schicksal erzählt habe – und plötzlich bekam ich ganz viele Geschichten zu hören von Sternenkindern…Es ist halt etwas, über das man nicht redet. Weswegen man auch erst einmal gar niemandem erzählt, dass man schwanger ist.

Katha und ich wollten mit diesem Beitrag zeigen, dass sich niemand mit so einem furchtbaren Schicksalsschlag allein gelassen fühlen muss und wie betroffenen Familien geholfen werden kann. Und was eher nicht hilft. Sie hat mir oft erzählt, dass von ihr erwartet wurde, dass sie nach X Monaten der Trauer nun doch wieder zu funktionieren hat.

Ich für meinen Teil bin wahnsinnig stolz auf meine Freundin, die sich wunderbar reflektieren kann, mutig ist ohne Ende (ich sage nur: Kind Nr. 3!) und alles tut, um gesund zu sein und für ihre Familie da sein zu können.

Danke, Katha, für diesen ehrlichen Einblick in die schlimmste Zeit in deinem Leben!

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